Mapache photographiertMapache photographiert

AltText Schwarzweißphotographie

Schwarzweißphotos, die ursprüngliche Form der Photographie, haben auch heute nichts von ihrer Faszination verloren. Das Fehlen der Farben lenkt die Aufmerksamkeit mehr auf den Bildinhalt, die Komposition, den Kontrast und die Lichtführung.
Mein erster Kontakt mit der Schwarzweißentwicklung war während eine Ferienjobs. In der Qualitätssicherung eines Lenkradherstellers. Dort durfte ich die Photos, die während Airbagtests gemacht wurden, entwickeln. Nicht die spannendsten Photos, aber eine gute Übung darin, wie man Bilder entwickelt, so dass alle Details sichtbar sind. Und auch kein schlechter Arbeitsplatz für einen Ferienjob. In der Dunkelkammer konnte nie plötzlich der Chef reinplatzen, um zu kontrollieren, ob man auch wirklich arbeitet. Danach habe ich dann auch angefangen, meine eigenen Bilder selbst zu vergrößern und zu entwickeln.

Auch heute noch macht mir die Schwarzweißentwicklung sehr viel Spaß, auch wenn die Arbeitsschritte nun ganz anders sind. Damals haben die Wahl des Films, Farbfilter beim Photographieren, die Art der Filmentwicklung, das verwendete Papier und verwendete Chemie das Ergebnis. Man musste, teilweise sehr genau, die Uhr im Blick haben, hat durch Abwedeln und Nachbelichten manuell Bildbereiche aufgehellt oder abgedunkelt. Heute kann man sich durch viele Werkzeuge, viele Möglichkeiten der Teilbearbeitung und vor allem durch "Undo", sehr viel schneller und genauer an das gewünschte Ergebnis heranarbeiten. Dennoch hilft mir die Erfahrungmit der analogen Technik bei der heutigen Bildbearbeitung sehr. Und wie immer, ersetzen Bildbearbeitungswerkzeuge natürlich nicht den Blick für ein gutes Bild.

Beim Bearbeiten der Bilder von den Spielen der Löwen fallen mir immer wieder Bilder auf, von denen ich denke, dass sie gut in Schwarzweiß aussehen würden. Und oft ist das ein willkommener Grund, die doch sehr gleichförmige Bearbeitung der Bilder des Spiels zu unterbrechen und mal etwas kreativ in Schwarzweiß zu arbeiten.

AltText Eishockey - Schwarzweiß

Schwarzweiß passt, meiner Meinung nach, wunderbar zu Eishockey. Klar, konzentriert, keine Ablenkung. Die Bilder zeigen die Charakteristik des Sports oder des Sportlers auf den Punkt, ohne durch unnötige Farben abzulenken.

Wie das Bild entwickelt wird, hängt natürlich vom Bildinhalt ab. Für Eishockey setze ich gerne auf hohe Kontraste und hohe Struktur. Auch Bildrauschen stört mich hier weniger, als bei anderen Bildern. So wie eben auch das Spiel ist, hart, strukturiert und natürlich auch chaotisch.

Mapache Bildbearbeitung

Ich nutze zur Schwarzweißbearbeitung meist Silver Efex Pro 2. Die Schritte sollten sich sich aber, bis auf wenige Ausnahmen, in allen anderen Programmen nachvollziehen lassen.

Mapache Schwarzweißumwandlung

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Der erste Schritt ist die Umwandlung des Farbbilds in ein Schwarzweißbild.
Dazu werden Farben einfach entsprechend ihrer Helligkeit in Graustufen umgewandelt.
Da dies manchmal zu Problemen führen kann, wenn sich Details im Bild nur durch die Farbe, aber nicht durch die Helligkeit unterscheiden, bieten viele Programme die Möglichkeit, Farbbereich aufzuhellen oder abzudunkeln.
Schon durch die einfache Umwandlung eines Bildes in Schwarzweiß verändert sich die Wahrnehmung.
In diesem Beispiel fällt z.B. gleich die Ablenkung durch die gelben Sitze weg. Der Spieler rückt stärker in den Mittelpunkt, auch wenn die Strukturen im Hintergrund noch ablenken.
Insgesamt ist mir dieses Bild aber zu flau. Vieles ist einfach Mittelgrau, es gibt kaum Kontraste.
Die folgenden Schritte müssen nicht unbedingt in der beschriebenen Reihenfolge erfolgen. Meist ist es eher ein hin und her, da jeder Schritte das Bild verändert und oft weitere Anpassungen in anderen Bereichen nötig macht.

Before After
Before After

MapacheAnpassungen

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Der erste Schritt ist meist ein Anpassen der Helligkeit und des Kontrasts, da für mich Eishockeybilder in Schwarzweiß sehr kontrastreich sein müssen.
Das schöne an der digitalen Bearbeitung ist, dass man einfach schauen kann, wie das Bild auf einzelne Veränderungen reagiert.
Meist reicht es die Hauptregler der Funktionen anzupassen, aber je nach Bildinhalt und Lichtverteilung können auch die weiteren Regler von Bedeutung sein.
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Die Helligkeitsverteilung im Bild kann man auch die Gradationskurve verändern. Verändert man die normalerweise gerade Linie z.B. in eine S-Kurve wie im Bild, so wird der Kontrast in den Mitten erhöht. Durch das Setzen und verschieben von weiteren Punkten auf der Kurve lässt sich die Helligkeitsverteilung noch weiter anpassen.
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Schon sieht das Bild interessanter aus. Nun noch etwas die Struktur erhöhen, um die Details noch weiter herauszuarbeiten.
Das Erhöhen der Struktur kann aber auch schnell unnatürlich wirken. Daher sollte man hier ausprobieren, wieviel Struktur das Bild verträgt. Auch hier kann man in den meisten Programmen die Struktur in Lichtern, Mitten und Tiefen getrennt anpassen, was einem hilft, die Strukturerhöhungen auf gewisse Bereiche einzugrenzen.
Da die Strukturregler oft auch ungewünschte Strukturen verstärken, z.B. das Bildrauschen, ist es hilfreich, diesen Effekt nur auf bestimmte Bildbereiche anzuwenden. Hierzu kann man z.B. Masken verwenden, die den Einflussbereich eines Affekts einschränken.
Silver Efex Pro 2 bietet hier, wie alle Tools aus der Nie Collection, die Möglichkeit über sogenannte Kontrollpunkte, sehr einfach zu definieren, wo ein Effekt wirken soll und wo nicht.
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Nun ist das Bild fast soweit. Für ein Schwarzweißportrait finde ich aber den Hintergrund noch zu verwirrend. Um den Fokus auf den Spieler zu lenken, nutze ich für diese Portraits eine, meist sogar recht starke Vignette. Mit Vignette bezeichnet man in der Fotografie die Abnahme der Bildhelligkeit zu den Rändern hin. Meist wird dieser Effekt durch den Aufbau von Objektiven oder durch den Einsatz von Filtern oder Sonnenblenden hervorgerufen. In der digitalen Bildbearbeitung kann man diesen Effekt nachträglich in das Bild rechnen. Dies wird meist genutzt, um den Blick des Betrachters auf mittleren Bildbereiche zu lenken. Digital lässt sich dieser Effekt natürlich auch umkehren, die Bildränder also auch aufhellen, was meist aber unseren Bildgewohnheiten widerspricht und seltsam aussieht.
Für Schwarzweißbilder von Spielszenen nutze ich diesen Effekt meist nicht, und wenn, dann nur sehr vorsichtig.
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Dies sind Schritte, welche ich normalerweise bei der Erstellung von Schwarzweißbildern anwende.
Je nach Bildinhalt, Stimmung und auch abhängig von meiner Zeit, probiere ich noch andere Sachen aus.
Ein aus der analogen Schwarzweißphotographie bekanntes Verfahren ist der Einsatz von Farbfiltern. Heutzutage lässt sich der Prozeß der Umwandlung von Farbe in Graustufen sehr exakt am Rechner beeinflussen. Diesen Luxus hatte man in der analogen Photographie nicht. Um aber trotzdem bestimme Farben aufzuhellen oder abzudunkeln, nutzte man farbige Filter vor dem Objektiv. So dunkelt z.B. ein Gelbfilter den Himmel ab und verstärkt den Kontrast in den Wolken. Die meisten Programme bieten die Möglichkeit die Effekte solcher Farbfilter, in variabler Stärke, auch heute einzusetzen. Dies ist besonders komfortabel, wenn man die alten Arbeitsabläufe gewöhnt ist. Aber auch wenn man weiß, was man genau erreichen will, ist der Einsatz dieser Filterfunktion oftmals schneller als die flexiblere, aber auch komplexere, Definition der Umwandlung, wie zu Begin des Artikels beschrieben.
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Neutral

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Orange Filter

Es gibt noch weitere Effekte, die man auf Schwarzweißbilder anwenden kann, z.B. die Einfärbung des Bildes (Speis, Cyanotypie, Kaffee, …), aber die nutze ich bei meinen Schwarzweißbildern eher selten. Oder sehr reduziert.
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